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23. Mai 2021

UNverpackt oder UMverpackt?

Bei unverpackt Läden oder ähnlichen Konzepten wie das unsere, fragt man sich oft: Wird hier wirklich weniger Abfall produziert oder wird der Abfall lediglich von Privatpersonen in die Läden verlagert? Auch wir waren zu Beginn sehr gespannt, wie viel Abfallvermeidung uns tatsächlich gelingen wird. Ausserdem ist es für uns zusätzlich interessant, da wir beide Seiten sehen: die Kundenseite, da wir mittlerweile praktisch ausschliesslich in unserem Laden einkaufen, aber auch die Angebotsseite. Aufgrund einiger Nachfragen haben wir uns deshalb entschlossen, mit diesem Blogbeitrag transparent aufzuzeigen, wie die Waren bei uns angeliefert werden, welche Verpackungen verwendet werden und welchen Abfall hinter der Kulisse tatsächlich anfällt.

So viel vorab: Optimierungspotenzial gibt es immer – auch wir sind noch nicht vollumfänglich zufrieden. Grundsätzlich können wir aber sagen, dass wir stolz sind, was uns bis zum jetzigen Zeitpunkt gelingt.

Ein grosser Teil unserer Trockenprodukte beziehen wir von biofarm. Die Genossenschaft fördert den biologischen Anbau gemäss den Bio Suisse Knospen Richtlinien. Sie sind Bindeglied zwischen Erzeuger und Verbraucher und verarbeiten viele der Produkte, bei welchen den Bauern die nötige Infrastruktur zur Weiterverarbeitung fehlt. Dies sind beispielsweise Produkte wie Kichererbsen, Bulgur oder Bramata. Wir bestellen die Lebensmittel jeweils in Grossgebinde (mindestens 5 Kilogramm) – angeliefert wird in Papiersäcken. Die leeren Papiersäcke werden dann bei uns wiederverwendet. Wir haben daraus Visitenkarten gebastelt, verwenden sie als Dankeskarten bei euren Bestellungen oder als Notizpapier. Da wir auf Lieferscheine oder Rechnungen in Papierform verzichten, benötigen wir bei uns im Laden kein weiteres Druckerpapier und können hier einen grossen Teil Papier einsparen.

Die Bio Teigwaren beziehen wir aus Sigigen. Der Dinkel wird in Sigigen angebaut und von zwei Sigiger-Bäuerinnen gemeinsam zu Teigwaren weiterverarbeitet. Hier haben wir mit den Lieferantinnen Lebensmittel-Behälter angeschafft, welche wir bei den Lieferungen jeweils austauschen. Zwei Behälter gefüllt mit den beiden Sorten werden angeliefert, zwei leere Behälter nehmen sie gleich wieder mit für die nächste Lieferung. Hier fällt also tatsächlich gar kein Abfall an.

Von der Familie Bieri aus Emmenbrücke beziehen wir Saucen sowie Gewürze. Die Saucen werden direkt in ihre Glasflaschen abgefüllt. Hier konnten wir sie dazu inspirieren, die Flaschen nicht im Karton sondern in wiederverwendbaren Harassen anzuliefern. Dieses System haben sie mittlerweile auch bei ihren anderen Kunden übernommen. Für die Lieferung der Gewürze haben sie sich extra für uns grosse Drahtbügelgläser angeschafft. Diese werden bei Anlieferungen auch jeweils ausgetauscht.

Mit der Familie hinter Schenk Konfitüre+Sirup sind wir schon viele Jahre befreundet. Deshalb waren sie auch mehr als offen für unsere Produkte auf Glasflaschen umzusteigen und auf die Plastikausschankhilfe zu verzichten. Dafür gibt es zwischendurch halt eine etwas klebrige Angelegenheit, dies ist es uns aber durchaus wert ;)

Unsere Non-Food Produkte benötigen teilweise zusätzlichen Schutz (beispielsweise die Seifen sowie Shampoos). Diese werden lediglich in Papier oder Karton und ohne überflüssigen Plastik verpackt.

Da wir unsere Produzent*innen und Lieferant*innen persönlich kennen und unsere Produkte sehr regional beziehen, werden viele Anlieferungen persönlich übernommen. Durch diese Nähe ist es möglich auf zusätzliche Schutzverpackungen zu verzichten, da die Produkte bzw. Verpackungen keinen weiteren Einflüssen ausgesetzt sind. Diese Anlieferungen erfolgen oft mit dem Auto; deshalb ist es uns auch wichtig, nicht von CO2-neutralen Lieferungen zu sprechen. Selten aber werden Wege nur für uns zurückgelegt. Wir orientieren uns an den Lieferfenstern der Lieferant*innen – das heisst, oft werden gleich mehrere Läden in der näheren Umgebung gleichzeitig beliefert. Oft können wir auch Synergien nutzen: beispielweise arbeitet eine Bäuerin aus Sigigen auch in der Stadt Luzern. Auf ihrem Weg zur Arbeit fährt sie regelmässig bei uns durch und bringt die bestellten Produkte gleich vorbei.

Für die handgemachten Produkte von Save Foods (Toffee-yay & Raffaella) sowie coconouvelle-berooted (Seitan-Döner und Saucen) bringen wir jeweils unsere Depotbehälter vorbei. Die Köstlichkeiten werden dann direkt bei der Produktion in unsere Gläser abgefüllt und zu Fuss bei uns vorbeigebracht.

Unsere Suche nach unverpacktem Kaffee hat etwas länger als erwartet gedauert. Das Argument, dass die Qualität ohne Verpackung stark leidet, haben wir häufiger zu hören bekommen. In der Zwischenzeit haben wir aber eine tolle Lösung gefunden: der Wildkaffee aus Kaffa, welcher in der Manufaktur von «Original Food» zwei Kilometer von uns frisch geröstet wird, können wir zukünftig innerhalb weniger Minuten mit unserem Lastenfahrrad in Hobbocks abholen und euch in unseren Depotbehältern anbieten.

Einige Produkte in unserem Sortiment werden zwar nicht in unseren Gläsern angeboten, jedoch können wir die leeren Gläser jeweils an die Produzent*innen retournieren und werden wiedervendet (Tuyu Tofu, Haferdrink, Pastarazzi).

Bis jetzt klingt alles sehr vielversprechend – es gibt aber auch Punkte, welche wir definitiv noch optimieren wollen.

Unsere exotischen Produkte (Reis, Mandeln, Cashews), welche wir über gebana beziehen, erhalten wir in Plastik eingeschweisst. Auf Rückfrage wurde uns transparent erklärt, weshalb sie sich für diese Verpackung entschieden haben. Sie können mit dieser Verpackungsart eine längere Haltbarkeit und besseren Schutz der Lebensmittel gewährleisten. Die erwähnten Produkte legen halt auch einen weiteren Weg als unsere übrigen Lebensmittel zurück. Immerhin ist es möglich, die Produkte ebenfalls in Grossgebinden zu beziehen. So wird gesamthaft trotzdem weniger Plastikabfall produziert. Ausserdem werden die Produkte in bereits verwendeten Kartons geliefert. Wir haben nicht schlecht gestaunt, als uns ein Paket erreichte, welches optisch auf Rast Kaffee schliessen liess, tatsächlich aber von gebana wiederverwendet wurde.

Womit wir aktuell noch nicht zufrieden sind, ist unsere Etiketten-Lösung. Diese bestehen aus Plastik und werden logischerweise nur einmal verwendet und anschliessend entsorgt. Hier sind wir bereits intensiv auf der Suche nach einer nachhaltigeren Alternative, wurden bis jetzt aber leider noch nicht fündig. Hier spielen verschiedenste Faktoren eine Rolle, welche wir nicht ausser Acht lassen dürfen und wollen (Lebensmittelgesetz, ablösbar, aus der Schweiz, …).

Die Anlieferung unseres Inventars wie Kühlschrank, Depotgläser oder Hobbocks bescherte uns zu Beginn einen ganzen Haufen an Karton, welcher entsorgt werden musste. Dies hat sich in der Zwischenzeit jedoch glücklicherweise stark entschärft. Nach fast zwei Monaten blicken wir lediglich auf einen 35 Liter Sack Restmüll zurück & um ehrlich zu sein: Darauf sind wir ziemlich stolz.

Du hast noch weitere Fragen, die du geklärt haben möchtest? Kein Problem, melde dich unter hallo@unfahrpackt.ch oder komm bei uns im Laden vorbei. Wir geben gerne Auskunft!